Allgemeine technische Richtlinien

Geltungsbereich
Die nachstehenden Richtlinien gelten für Erzeugnisse aus Gummi in reiner und mit anderen Werkstoffen zusammengesetzter Form, und zwar für Elastomere aus Naturkautschuk und/oder Synthesekautschuk sowie für Klebstoffe und Lösungen. Die Richtlinien nach gelten in erster  Linie als Anforderungen für eine langzeitige Lagerung (im Allgemeinen länger als 6 Monate).
Für kurzfristige Lagerung (weniger als 6 Monate) – wie etwa in Produktions- und Auslieferungslagern mit laufendem Materialabfluß – sind die Vorschriften dieser Norm bis auf die generellen Anforderungen an den Lagerraum sinngemäß anwendbar, solange dadurch Aussehen und Funktion der Erzeugnisse keine nachteiligen Veränderungen erfahren und solange nicht ein Widerspruch zu speziellen Forderungen dieser Norm für ausdrücklich kurze Lagerfristen von Erzeugnissen aus Gummi entsteht.

Allgemeines
Unter ungünstigen Lagerungsbedingungen oder bei unsachgemäßer Behandlung ändern die meisten Erzeugnisse aus Gummi ihre  physikalischen Eigenschaften. Sie können z.B. durch übermäßige Verhärtung, Weichwerden, bleibende Verformung sowie durch Abblättern, Risse oder sonstige Oberflächenschäden unbrauchbar werden. Die Veränderungen können durch die Einwirkung von z.B. Sauerstoff, Ozon, Wärme, Licht, Feuchtigkeit, Lösungsmittel oder die Lagerung unter Spannung hervorgerufen werden. Sachgemäß gelagerte und behandelte Erzeugnisse aus Gummi bleiben über einen langen Zeitraum (einige Jahre) fast unverändert in ihren Eigenschaften.

Lagerraum

Der Lagerraum soll kühl, trocken, staubfrei und mäßig belüftet sein.

Temperatur
Die Lagertemperatur sollte +15°C sein und darf +25°C nicht überschreiten, da es sonst zu einer Veränderung der physikalischen Eigenschaften oder Verkürzung der Lebensdauer kommen kann. Die Lagertemperatur sollte ebenfalls nicht unter -10°C liegen. Niedrigere Temperaturen sind für Erzeugnisse aus Gummi im Allgemeinen nicht schädlich, doch können diese bei tieferen Temperaturen sehr steif werden. Stark gekühlte Erzeugnisse sind vor Inbetriebnahme längere Zeit auf eine Temperatur von über +20°C zu bringen.  Erzeugnisse aus Chloroprenekautschuktypen sollten nicht unter kälter als +12 °C gelagert werden.

Heizung
Bei Heizung des Lagerraums sind Heizkörper und Leitungen abzuschirmen. Die Wärmequellen in den Lagerräumen sollen so ausgelegt sein, dass die Temperatur der eingelagerten Artikel +25 °C nicht übersteigt. Der Abstand zwischen Heizkörper und Lagergut muss mindestens 1 m betragen.


Feuchtigkeit
Erzeugnisse aus Gummi sollten nicht in feuchten Lagerräumen gelagert werden. Es ist darauf zu achten, dass keine Kondensation entsteht. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt am günstigsten unter 65%.

Beleuchtung
Die Erzeugnisse aus Gummi sollen vor Licht geschützt werden, insbesondere vor direkter Sonnenbestrahlung und vor starkem künstlichem Licht mit hohem UV-Anteil. Die Fenster der Lagerräume sind aus diesem Grunde mit einem roten oder orangefarbenen (keinesfalls blauen) Schutzanstrich zu versehen. Alle Lichtquellen, die ultraviolette Strahlen aussenden, wie z.B. offen installierte Leuchtstoffröhren, wirken insbesondere wegen der damit verbundenen Ozonbildung schädigend. Vorzuziehen ist eine Raumbeleuchtung mit normalen Glühlampen.

Sauerstoff und Ozon
Die Erzeugnisse aus Gummi sollen vor Luftwechsel, vor allem vor Zugluft, geschützt werden durch Einhüllen, durch Lagerung in luftdichten Behältern oder durch andere Mittel. Dies bezieht sich vor allem auf die Artikel mit einer großen Oberfläche im Verhältnis zum Volumen, z.B. gummierte Stoffe oder zellige Artikel.
Da Ozon besonders schädlich ist, dürfen die Lagerräume keinerlei Ozon erzeugende Einrichtungen enthalten, wie z.B. fluoreszierende Lichtquellen, Quecksilberdampflampen, Elektromotoren oder sonstige Geräte, die Funken oder andere elektrische Entladungen erzeugen können. Verbrennungsgase und Dämpfe, die durch photochemische Vorgänge zu Ozonbildung führen können, sollten beseitigt werden.
Lösungsmittel, Kraftstoffe, Schmierstoffe, Chemikalien, Säuren, Desinfektionsmittel u.ä. dürfen im Lagerraum nicht aufbewahrt werden.
Gummilösungen sind unter Beachtung der behördlichen Vorschriften über die Lagerung und Beförderung brennbarer Flüssigkeiten in einem besonderen Raum zu lagern.

Verformungen

Es ist darauf zu achten, dass Erzeugnisse aus Gummi spannungsfrei, d.h. ohne Zug, Druck oder sonstige Verformungen gelagert werden, da Spannungen sowohl eine bleibende Verformung als auch Rissbildung begünstigen. Bestimmte Metalle, im besonderen Kupfer und Mangan, wirken auf Erzeugnisse aus Gummi schädigend. Deshalb dürfen Erzeugnisse aus Gummi nicht in Berührung mit diesen Metallen gelagert werden, sondern müssen durch Verpackung oder durch Abschluss mit einer Schicht, z.B. Papier oder Polyethylen, geschützt werden.
Die Werkstoffe der Behälter, des Verpackungs- und Abdeckmaterials dürfen keine für Erzeugnisse aus Gummi schädlichen Bestandteile enthalten, z.B. Kupfer oder kupferenthaltende Legierungen, Benzin, Öl und dergleichen. 
Weichmacher enthaltende Folien dürfen zur Verpackung nicht verwendet werden. Werden Erzeugnisse aus Gummi eingepudert, so darf der Puder keine für die Erzeugnisse aus Gummi schädlichen Bestandteile enthalten. Geeignet zum Einpudern sind Talkum, Schlämmkreide, feinkörniges Glimmerpulver und Reisstärke.
Das gegenseitige Berühren von Erzeugnissen aus Gummi verschiedener Zusammensetzung ist zu vermeiden. Das gilt vor allem für Erzeugnisse aus Gummi verschiedener Farben.
Erzeugnisse aus Gummi sollten für eine möglichst kurze Zeit im Lager verbleiben. Bei langfristiger Lagerung ist darauf zu achten, dass neu hinzukommende Erzeugnisse von den schon vorhandenen getrennt gelagert werden. An dieser Stelle weisen wir auf die DIN 9088 (Luft- und Raumfahrt- Richtlinien für die zulässigen Lagerzeiten von Erzeugnissen aus Elastomeren) hin.


Reinigung und Wartung
Die Reinigung von Erzeugnissen aus Gummi kann mit Seife und warmem Wasser erfolgen. Die gereinigten Artikel sind bei Raumtemperatur zu trocknen. Die mit Wasser gereinigten Produkte müssen sofort vollständig getrocknet werden. Hierzu empfiehlt es sich ein trockenes, weiches Tuch zu verwenden oder eine kurzzeitige Lagerung in trockener Umgebung bei ca. +23 °C. Die Trocknung mittels Heizkörper, Fön oder anderen
Wärmequellen schaden den Dichtungs- und Führungselementen.
Nach einer längeren Lagerung (6 bis 8 Monate) können die Erzeugnisse mit einer 1,5%igen Natriumkarbonatlösung gereinigt werden. Die Reste der Reinigungsflüssigkeit sind mit Wasser abzuspülen. Wirksame und besonders schonende Reinigungsmittel werden vom Hersteller empfohlen.
Lösungsmittel, wie Trichlorethylen, Tetrachlorkohlenstoff sowie Kohlenwasserstoffe dürfen zum Reinigen nicht verwendet werden. Weiter verbietet sich hierfür die  Benutzung von scharfkantigen Gegenständen, Drahtbürsten, Schmirgelpapier usw.

Lagerbedingungen

Die Lagerungstemperatur muss unter 25°C liegen; die Teile müssen fern von direkten Wärmequellen lagern und dürfen keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Die relative Luftfeuchte muss so sein, dass bei Temperaturänderungen im Lagerraum keine Kondensation eintritt. Die  Einwirkung von Ozon und ionisierender Strahlung muss grundsätzlich ausgeschlossen sein.
Weitere Verlängerungen sind unter Umständen möglich, aber nur nach Rücksprache mit dem Lieferanten. Der Lieferant nimmt entsprechende Prüfungen vor und entscheidet, ob die Erzeugnisse weiter Verwendung finden oder verworfen werden müssen.

Verpackung

Alle Werkstoffe für Behälter, zum Abdecken und Einwickeln müssen frei von Substanzen sein, die einen Abbau-Effekt auf Elastomere haben.
Als Verpackungsmaterial kommen z.B. beschichtetes Kraftpapier, Aluminiumfolie oder undurchsichtige PE-Folie (min. 0,075 mm Stärke) in Frage.
Wiedergegeben mit Genehmigung des Deutschen Normenausschusses. Maßgebend ist die jeweils neueste Ausgabe des Normblattes im Normformat A4, erhältlich bei der Beuth-Vertrieb GmbH.